Verschiedenes

Zurück in die Zukunft – das Original

Alle paar Jubeljahre (oder eher Jubelwochen) spielt uns der Kalender einen Streich. Du glaubst, es wäre Mittwoch, und jemand erwähnt ganz beiläufig, dass Donnerstag ist. Was, wenn dir jemand sagen würde, dass du ganze zehn Tage hinterherhinkst? All die geplanten Termine, all die Deadlines, von denen du dachtest, dass sie dir noch nicht so tief im Nacken sitzen …

Genau das ist am 4. Oktober 1582 passiert. Am Tag darauf schrieb die Welt nicht den 5., sondern den 15. Oktober 1582, und jeder musste das akzeptieren. Ganz gleich, welche Deadlines man durch diesen Zeitsprung verpassen würde. Nein, nicht ganz. Nicht jeder akzeptierte das. Aber dazu gleich mehr.

Hände hoch, wer meint, schon die Uhr umzustellen sei umständlich

Umständlich war eher die gerade beschriebene Umstellung vom julianischen Kalender auf den gregorianischen. Letzteren nutzen heute die meisten Länder. Der gregorianische Kalender ist nach Papst Gregor XIII. benannt, der eben diese Kalenderreform beschloss. Er wollte damit die Ungenauigkeiten des julianischen Kalenders korrigieren. Dieser lag wegen vieler Schaltjahre im Sonnenjahr ein paar Tage zurück. Der neue Kalender wurde von dem berühmten Mathematiker und Astronomen Christopher Clavius entwickelt. Zehn Tage mussten dafür aufgeholt werden.

Allerdings freute man sich nicht überall auf den neuen Kalender. Und nicht überall nutzte man ihn ab dem gleichen Zeitpunkt. Da es der Papst persönlich war, der die Nutzung des Kalenders verordnet hatte, sattelten die katholischen Länder zuerst um. Die protestantischen Länder sahen den neuen Kalender als Möglichkeit für die Katholiken, mehr Einfluss zu erhalten, und beschlossen, sich dem zu widersetzen. Wer damals in Europa über eine Grenze musste, reiste somit viele Jahrzehnte lang jedes Mal zehn Tage in die Vergangenheit (oder in die Zukunft). Stell dir mal vor: Damals gab es im Gebiet des heutigen Deutschlands Länder in der Größe der heutigen Bundesländer. Oh, welch Ausmaß der Verwirrung!

Ist denn heute wirklich heute?

Lange Rede, kurzer Sinn, die Zeiten mit den unterschiedlichen Kalendern (ja, da gab es noch mehr als den gregorianischen und den julianischen) waren ziemlich umständlich. Daher nahmen die meisten Länder am Ende doch den gregorianischen Kalender an. (Wir danken an dieser Stelle dem internationalen Handel.) Warum umständlich, fragst du? Allein Ereignisse und Geburtstage für die Nachwelt festzuhalten, sorgte für Kopfzerbrechen (Stichwort Abstammungsforschung). Mal ganz zu schweigen von der Tatsache, dass man Termine doppelt überprüfen musste, um sicherzugehen, dass es sich tatsächlich um denselben Tag handelte.

Einen Termin zu finden, der allen passt, kann super frustrierend sein. Und stell dir jetzt mal vor, jeder hätte zugesagt und dann kommt raus, der Tag, den du auf dem Schirm hattest, ist ein ganz anderer für deine Kollegen. Natürlich kannst du jetzt sagen: „Moment mal! Zwei Kalender bedeuten, ich würde zwei Mal pro Jahr Geburtstagsgeschenke absahnen.“ Aber die Unannehmlichkeiten an all den anderen Tagen überzeugten die Oberhäupter der Länder, dass es den doppelten Geburtstag nicht wert ist. Ja, so chaotisch war das.

Kalender sind komplexe Konstrukte. Von einem zum anderen zu switchen kann (das wissen unsere Vorfahren) ziemlich interessant sein. Hoffen wir mal, dass uns das in Zukunft nicht selbst bevorsteht.

Genießen wir lieber die Gegenwart, planen wir unsere Meetings lieber auf wunderbar unchaotische Weise und überlegen wir uns stattdessen einen anderen Trick, um an zwei Tagen pro Jahr Geburtstag feiern zu können.

By Justina Poskeviciute

Justina is an awesome writer living in Budapest.

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